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7.2.2.2 Ertragspotential "Die Eignung eines Bodens für eine Nutzung als Pflanzenstandort hängt von seiner Fruchtbarkeit (auch Ertragsfähigkeit oder Produktivität genannt) ab." (SCHEFFER, SCHACHTSCHABEL 1989). Aufgrund dieser nutzungsbezogenen Bewertung sind Bewertungsmethoden für die forstwirtschaftliche und die landwirtschaftliche Nutzung am üblichsten. Bei den landwirtschaftlich genutzten Böden sind Böden mit hohem Ertragspotential in der Regel "alte" Ackerstandorte, auf denen schon seit Jahrhunderten Ackerbau betrieben wird und die auch heute unter intensiver landwirtschaftlicher Nutzung stehen. Aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes oder des Landschaftsbildes werden solche Standorte hinsichtlich ihrer Funktion als Lebensraum für verschiedene Offenlandarten oder als Erholungsraum teilweise negativ bewertet. Unter dem Gesichtspunkt eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen fallen sie jedoch positiv ins Gewicht. Infolge ihrer natürlichen Eignung als Pflanzenstandort ermöglichen sie das Erwirtschaften von Erträgen mit einem vergleichsweise geringen Aufwand an Düngung, Arbeit und Energie (ARNOLD, VORDERBRÜGGE 1996). Darüber hinaus geht eine hohe Bodenfruchtbarkeit in der Regel einher mit großen Regelungs- und Pufferkapazitäten. Das Ertragspotential aus landwirtschaftlicher Sicht für landwirtschaftlich genutzte Flächen, wird in Hessen über die Agrarstrukturelle Vorplanung in der "Standortkarte von Hessen - Natürliche Standorteignung für landbauliche Nutzung- (DER HESSISCHE MINISTER FÜR LANDESENTWICKLUNG, UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN - ABTEILUNG LANDWIRTSCHAFT UND LANDENTWICKLUNG) dokumentiert.[34] Das Hessische Landesamt für Bodenforschung hat hessenweit eine flächendeckende und nutzungsunabhängige Bewertung entwickelt, die das Ertragspotential hessischer Böden in fünf Klassen von "sehr gering" bis "sehr hoch" einstuft (HLfB 1997b). "Das Ertragspotential des Bodens wird hier nicht aus landwirtschaftlicher Sicht sondern aus bodenkundlicher Sicht dargestellt. Dabei werden die nutzbare Feldkapazität im durchwurzelbaren Bodenraum (NFKdB) sowie der potentielle Grundwassereinfluß als wesentliche Standortkenngrößen angesehen, unabhängig von der Form und Intensität der Bewirtschaftung. Die bisherige Nutzung, das Relief und die Klimaentwicklung sind allerdings Faktoren, die die Bodenbildung beeinflußt haben" (HMULF 1999). Mögliche Steigerungen durch Meliorationsmaßnahmen werden nicht berücksichtigt. In Karte 15 sind die Ackerflächen des Regierungsbezirks dargestellt, und zwar eingeteilt in Böden mit einem hohen bis sehr hohen und solche mit einem sehr geringen bis mittleren Ertragspotential. Für jede naturräumliche Einheit wurde der Anteil von Ackerflächen mit hohem bis sehr hohem Ertragspotential an der gesamten Ackerfläche des Naturraums berechnet. Vergleichsweise hohe Anteile (> 40 %) an Flächen mit hohem bis sehr hohem Ertragspotential weisen die Westhessische Senke und die angrenzenden Naturräume Ostwaldecker Randsenken, Warburger Börde, Oberwälder Land, Habichtswälder Bergland und Reinhardswald auf. Aufgrund der Anzahl und erheblichen Größe dieser Flächen stellt die Westhessische Senke einen eindeutigen Schwerpunktraum dar. Innerhalb der Westhessischen Senke betrifft dies vor allem die Räume nördlich von Kassel, zwischen Borken und Kassel, sowie südlich von Schwalmstadt und westlich von Frielendorf. Ein weiterer Schwerpunkt von Flächen mit hohem bis sehr hohem Ertragspotential befindet sich im Unteren Werraland, der angrenzenden Leine-Ilme-Senke und Teilstücken des Salzunger Werraberglandes bei Herleshausen und zwischen Obersuhl und Kleinensee. Schwerpunkträume hohen Ertragspotentials können darüber hinaus auch im Raum um Fulda, im Nordwesten der Vorder- und Kuppenrhön (südlich und nordöstlich von Eiterfeld), im Fulda-Werra-Bergland in der Fulda-Aue, im Knüll-Hochland nördlich von Homberg und im nördlichen Burgwald abgegrenzt werden. Ein überwiegend sehr geringes bis mittleres Ertragspotential kennzeichnet dagegen
den Westen des Regierungsbezirkes (Naturräume Hochsauerland, Ostsauerländer
Gebirgsrand, Waldecker Tafel und Oberhessiche Schwelle). Hinzu kommen,
abzüglich der oben genannten Räume, das südliche Knüll-Hochland, weite
Bereiche des Fulda-Werra-Berglandes und des Fulda-Haune-Tafellandes sowie
die Hohe Rhön, die Vorder- und Kuppenrhön und der Untere Vogelsberg. [34] Zur Eignungsbewertung dienen die Standortfaktoren Boden (Bodenzahlen der Reichsbodenschätzung, tlw. korrigiert), Relief (Gefällewerte nach Bodenerosion und Technisierungsgrad), Klima (Regionalklima aus Klimaatlas Hessen - 1950, Lokalklima aufgrund der Exposition und nach der Wuchsklimakarte). Die Einstufung für Acker und Grünland erfolgt jeweils in drei Stufen. |
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