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7.2.2.3 Beeinträchtigungen des Bodens durch Schadstoffe Böden übernehmen im Naturhaushalt Reinigungs-, Filter- und Pufferfunktionen. Eingetragene Schadstoffe können im Boden ab- oder umgebaut, zurückgehalten oder festgelegt werden. Ein in dieser Hinsicht funktionsfähiger Boden übernimmt somit eine wichtige Schutzfunktion gegenüber dem Grundwasser (vgl. auch Kap. 7.4.3, Teil 1, Versauerung von Luft, Wasser, Boden und deren Folgen). Werden die Abbaukapazitäten eines Bodens überschritten oder werden nicht abbaubare Schadstoffe eingetragen, führt dies zu einer Anreicherung und damit auf kurze oder lange Sicht zu einer Beeinträchtigung der Bodenfunktionen. Dies ist um so gravierender, als sich ein Boden nicht "reinigen" läßt - Schwermetalle und einige organische Schadstoffe lassen sich aus Böden nicht oder nur mit einem extrem hohen Aufwand entfernen. Im folgenden werden die wichtigsten Schadstoffe kurz beschrieben. Schwermetalle Einige Schwermetalle werden zwar in Spuren von Lebewesen benötigt oder zumindest toleriert, viele wirken aber in höheren Konzentrationen toxisch. Sie können von Pflanzen aus dem Boden aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen. Vom Schwermetalleintrag in Böden gehen folgende Gefahren aus:
Organische Verbindungen Zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) gehören das Insektizid DDT (darf seit 1977 in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr angewendet werden), Hexachlorcyclohexan (als Insektizid Lindan nur noch mit Sondergenehmingung anzuwenden), Hexachlorbenzol, (HCB, Verwendung als Flammschutzmittel und bei organischen Synthesen, Ausbringung als Fungizid seit 1977 verboten) und die polychlorierten Biphenyle (PCB, breite Anwendung unter anderem als Hydrauliköl und Kühl- und Isoliermittel, Produktionsstop seit 1983). Ihnen allen gemeinsam ist eine hohe bis extrem hohe Persistenz. Obwohl Ausbringung und Anwendung gesetzlich eingeschränkt wurden, gehören HCB, DDT und PCB zu den Stoffen, die inzwischen überall in Böden und Gewässern auftreten. Über die Nahrungskette gelangen sie auch in Tiere und Menschen und reichern sich dort im Fettgewebe an. Polycyclische Kohlenwasserstoffe (PAK) werden nicht gezielt produziert, sondern entstehen als Beiprodukt bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material. Einige von ihnen wirken krebserregend, der Abbau im Boden ist sehr langsam. Sie sind heute in allen Böden und Sedimenten, auch im Grund- und Oberflächenwasser nachweisbar. Dioxine und Furane schließlich sind Nebenprodukte bei der großtechnischen Herstellung von chlorierten Chemikalien, entstehen aber auch bei Verbrennungsprozessen aus Chlorverbindungen (Müllverbrennung). Sie sind extrem toxisch und werden außerordentlich langsam abgebaut. Auenböden können durch den bei Überschwemmungen stattfindenden Stoffeintrag stark mit Schadstoffen angereichert werden. Die Höhe der Belastung hängt von der Schadstofffracht des jeweiligen Gewässers und der Häufigkeit und Dauer der Überschwemmungsereignisse ab. Die Gehalte an Blei (Pb), Thallium (Tl) und Arsen (As) bleiben bei allen Probenahmestandorten im Regierungsbezirk unterhalb der Grenzwerte. Die Verteilung der Schwermetalle innerhalb der beprobten Bodenprofile läßt den Schluß zu, daß in die Auenbereiche der Werra und möglicherweise auch der Weser in letzter Zeit vermehrt Schwermetalle eingetragen werden - dies gilt für die Elemente Cadmium (Cd), Chrom (Cr), Nickel (Ni), Antimon (Sb) und Zink (Zn). Für die Fulda insgesamt kann von einer rückläufigen Tendenz der Belastung gesprochen werden. Als regionale Belastungsschwerpunkte erweisen sich die Werraaue bei Philippsthal mit sehr hohen Cadmiumgehalten und die Fuldaaue bei Fulda-Gläserzell auf Grund der hohen Antimon- und Dioxingehalte. Im Folgenden werden die Untersuchungsergebnisse naturraumbezogen dargestellt. Westhessische Senke In der Aue der Eder bei Felsberg-Gensungen wurden ebenfalls keine Grenz- oder Richtwertüberschreitungen festgestellt. Insgesamt wird die Belastung als niedrig bis mittel eingestuft. Hervorzuheben ist lediglich, daß bei früheren Probenahmen (1985) am Edersee die Einstausedimente eine höhere Belastung aufwiesen. Werden die Werte dieser Untersuchung in die Beurteilung der Gesamtsituation mit einbezogen, ergibt sich für die Elemente Nickel und Zink ein hohes bis überhöhtes Belastungsniveau. Die Gehalte an CKW und PCB sind gering, die Gehalte an PAK unterschreiten den Orientierungswert für unbelastete Böden in Hessen nur knapp. Geringere Gehalte in der obersten Bodenschicht weisen auf eine rückläufige Tendenz hin. Die Aue der Fulda bei Guxhagen weist ein insgesamt niedriges bis mittleres Belastungsniveau auf. Es werden 50-75 % der Grenzwerte der AbfKlärV erreicht. Im Unterboden sind erhöhte Antimon-Gehalte festzustellen. Fulda-Haune-Tafelland Die Fuldaaue bei Fulda-Gläserzell weist eine doppelt so hohe Antimon-Konzentration im Unterboden auf, wie sie nach EIKMANN und KLOKE (1993) für landwirtschaftliche Flächen noch tolerierbar ist. Die Ursache für diesen hohen Wert ist unklar, da Antimon als typischer Begleiter von Kupfer- und Bleierzen gilt, die Blei- und Kupfergehalte aber nicht erhöht sind. Die Tendenz der Antimon-Belastung ist rückläufig. Ansonsten bleibt die Schwermetallbelastung auf einem mittleren bis niederigen Niveau. Die Belastung mit PAK und PCB ist erhöht, liegt aber unter dem hessischen Orientierungswert für unbelastete Böden (HMU 1993). Der Gehalt an Dioxinen und Furanen ist hoch (18 mg Teq/kg), bleibt aber unter dem sehr hohen Gehalt von zu früheren Zeitpunkten gezogenen Proben. Die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft (BLAG) Dioxine sieht bei Gehalten von 5 - 40 mg TEQ/kg[35] Prüfaufträge und Handlungsempfehlungen für die landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung vor (BMUNR 1993). Reinhardswald Die Gehalte an CKW, PCB, PAK und Dioxinen und Furanen liegen unterhalb bestehender Grenzwerte, die räumliche Verteilung gleicht der der Schwermetalle. Unteres Werraland Die Konzentrationen von CKW, PCB und PAK liegen unterhalb der Grenzwerte, zeigen aber bei PAK eine steigende Tendenz. Salzunger Werrabergland Die Gehalte an CKW, PCB und PAK liegen zwar unterhalb der Grenzwerte, aber auch hier zeigen die PAK-Gehalte eine steigende Tendenz. Der Gehalt an Dioxinen und Furanen liegt mit 4,7 mg Teq/kg knapp unterhalb der Wertspanne von 5 - 40 mg Teq/kg, für die die BLAG Dioxine Prüfaufträge und Handlungsempfehlungen für die landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung vorsieht (BMUNR 1993).
Altlasten vgl. hierzu Kap. 6.6, Teil 1 und Kap. 3.6, Teil 2 [35] TEQ/kg - toxische Äquivalente nach Bundesgesundheitsamt/Umweltbundesamt pro Kilogramm [36] Interventionswert - nach EIKMANN,KLOKE 1993, Gehalt im Boden, bei dem Schäden an Schutzgütern wie Pflanze, Tier und Mensch sowie an Nutzungen erkennbar werden. Der Interventionswert ist ein phyto-, zoo-, human- und ökotoxologisch abgeleiteter Wert.
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